Zwischen Faszination, Orientierungslosigkeit und existenzieller Angst
Mit Backrooms bringt Regisseur Kane Parsons eines der bekanntesten Internet-Phänomene auf die große Leinwand. Aus einer einfachen Creepypasta ist über die Jahre ein regelrechter Mythos entstanden. Ein endloses Labyrinth aus gelben Fluren, flackernden Neonröhren und einer beklemmenden Stille, die mehr Angst erzeugt als jeder klassische Jumpscare.
Der Film versteht es, genau dieses Gefühl einzufangen. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, wie schwierig es ist, aus einem faszinierenden Konzept eine durchgehend überzeugende Geschichte zu entwickeln.
Ein Albtraum ohne Ausgang
(Spoilerfrei)
Als der Protagonist Clark unvermittelt in den geheimnisvollen Backrooms landet, beginnt für ihn eine Reise durch ein scheinbar endloses Labyrinth, in dem die bekannten Gesetze von Raum und Zeit keine Rolle mehr spielen.
Auf der Suche nach Antworten begegnet er nicht nur den Gefahren dieser surrealen Welt, sondern auch Gestalten, die auf ganz unterschiedliche Weise mit ihrer Situation umgehen. Dabei entwickelt sich der Film zunehmend von einem klassischen Mystery-Horrorfilm zu einer Geschichte über Isolation, Wahrnehmung und die Angst vor dem Unbekannten.
Die Backrooms als eigentlicher Hauptdarsteller
Die größte Stärke des Films ist zweifellos seine Inszenierung. Die Backrooms wirken gleichzeitig leer und lebendig, vertraut und vollkommen fremd, ästhetisch und verstörend. Gerade diese Gegensätze erzeugen ein permanentes Gefühl des Unbehagens, das den Zuschauer praktisch über die gesamte Laufzeit begleitet.
Die sterile Architektur, das monotone Summen der Leuchtstoffröhren und die scheinbar endlosen Gänge erschaffen eine Atmosphäre, die ebenso faszinierend wie verstörend wirkt. Der Film beweist eindrucksvoll, dass Horror nicht zwangsläufig von Monstern oder Gewalt leben muss, sondern vor allem von der Angst vor dem Unbekannten.
Visuell gehört Backrooms damit ohne Zweifel zu den beeindruckendsten Genrebeiträgen der letzten Jahre.
Atmosphärisch stark, erzählerisch unausgewogen
So überzeugend die Welt der Backrooms inszeniert ist, so wechselhaft fällt die eigentliche Geschichte aus. Besonders der Protagonist bleibt über weite Strecken überraschend blass, wodurch es schwerfällt, eine echte emotionale Bindung zu ihm aufzubauen.
Dafür setzt Renate Reinsve ein echtes Ausrufezeichen. Mit ihrer intensiven und zugleich zurückhaltenden Darstellung verleiht sie jeder Szene eine enorme Präsenz und sticht deutlich aus dem übrigen Cast hervor. Ihre Figur gehört zu den interessantesten Elementen des Films und sorgt dafür, dass die Handlung immer wieder an Spannung gewinnt.
Zwischen Mysterium und Interpretation
(Leichte Spoiler)
Im letzten Drittel entfernt sich der Film zunehmend von seinem anfänglichen Mystery-Ansatz und schlägt eine deutlich abstraktere Richtung ein. Manche Entwicklungen wirken bewusst offen und laden zur Interpretation ein, gleichzeitig entsteht aber auch der Eindruck, dass der Film selbst nicht immer genau weiß, welche Geschichte er letztlich erzählen möchte.
Das offene Ende empfinde ich dagegen als eine gelungene Entscheidung. Es bewahrt das Geheimnis der Backrooms und lässt genügend Raum für eine mögliche Fortsetzung.
Dennoch hätte ich mir einen anderen erzählerischen Schwerpunkt gewünscht. Für mich wäre es spannender gewesen, gemeinsam mit dem Protagonisten immer tiefer in dieses endlose Labyrinth einzutauchen, ohne die Möglichkeit, es selbstständig wieder verlassen zu können. Gerade dieses Gefühl völliger Ausweglosigkeit macht den Mythos der Backrooms für mich so faszinierend und hätte den Horror noch intensiver wirken lassen.
Fazit
Backrooms ist vor allem ein atmosphärisches Erlebnis. Die beeindruckende Inszenierung und das außergewöhnliche Setting erzeugen eine dichte Spannung, die lange nachwirkt und den Mythos der Backrooms hervorragend auf die Leinwand überträgt.
Erzählerisch bleibt der Film dagegen hinter seinen Möglichkeiten zurück. Einige Figuren bleiben zu oberflächlich, und besonders im letzten Drittel verliert die Geschichte etwas an Klarheit. Trotzdem sorgen die starke visuelle Umsetzung, Renate Reinsves herausragende Performance und das bewusst offene Ende dafür, dass Backrooms als Horrorfilm im Gedächtnis bleibt.
🎬 Bewertung: 7 / 10 Punkten
Ein visuell und atmosphärisch beeindruckender Horrorfilm, der den Mythos der Backrooms hervorragend einfängt , auch wenn die Geschichte nicht ganz mit der Stärke seines außergewöhnlichen Settings mithalten kann.